MARK LEWIS

Two Impossible Films, 1995 / 35 mm auf Video, Farbe, Ton, 25 min

Neben den großen Filmen, RegisseurInnen, SchauspielerInnen, ErfinderInnen usw., die die Geschichte des Films ausmachen, existiert noch eine mehr oder weniger verborgene Geschichte dessen, was man unmögliche Filme nennen könnte. Zwei wichtige Beispiele für unmögliche Filme, die auch dokumentiert sind, wären Sergej Eisensteins Plan einer Dramatisierung des Kapitals von Karl Marx und Samuel Goldwyns Idee, Sigmund Freud nach Hollywood zu holen, um ihn dort den „endgültigen“ Film über Psychoanalyse schreiben zu lassen.

Die Verfilmung des Kapitals war ein Lebenstraum Sergej Eisensteins. Samuel Goldwyn wiederum brach 1925 aus Hollywood zu einer viel besprochenen Reise nach Wien auf, um Sigmund Freud zu treffen. In einem Interview
mit der New York Times kündigte er an, dass er an Freud appellieren und ihm 100.000 Dollar anbieten würde, um nach Hollywood zu kommen, seine Studien zu kommerzialisieren und ein Filmdrehbuch zu schreiben. Wie Goldwyn es ausdrückte: „Es gibt nichts Unterhaltsameres als eine wirklich große Liebesgeschichte“, und wer sollte die besser schreiben als Dr. Freud, „der größte Experte der Welt in Sachen Liebe“. In Wien schickte Freud dem im Hotel auf einen Gesprächstermin wartenden Goldwyn folgende Nachricht:„Ich beabsichtige nicht, Herrn Goldwyn zu treffen.“ (…) Hätte Freud bei diesem Projekt mitgemacht, hätte er in dieser relativ frühen Phase des Hollywoodkinos nicht nur die öffentliche Wahrnehmung der Psychoanalyse beeinflussen können, sondern auch das Verhältnis von Psychoanalyse und Kino an sich.

Two Impossible Films besteht aus den Vorspannen der beiden imaginären Großproduktionen von Eisenstein und Goldwyn. Beide wurden in unsere Zeit verlegt. Sowohl Das Kapital als auch The Story of Psychoanalysis spielen
demnach in der heutigen Zeit. Sie wurden in Vancouver auf 35-mm-Farbfilm in Cinemascope gedreht. Wenn der Vorspann nach der Regieangabe endet, wird in Two Impossible Films einfach ausgeblendet. Dieses Ausblenden enthält praktisch den Film, der niemals zustande gekommen ist. Nach einigen Augenblicken schwarzer Leinwand folgt beim Kapital eine „Schlussszene“, eine so genannte Auflösung, die andeuten soll, dass die dramatisch-didaktischen Erzählstränge der Anfangsszene irgendwie im Laufe des eigentlichen Films (im Ausblenden sozusagen) zusammengeführt wurden. Nach dieser Schlussszene beginnt der Nachspann mit der Aufzählung aller tatsächlichen MitarbeiterInnen, aber auch aller DarstellerInnen und MitarbeiterInnen, die an der Vollversion der Verfilmung von Marx’ Buch teilnehmen hätten können. Im Fall von The Story of Psychoanalysis geht der Film nach der Ausblende direkt in den Nachspann über.

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