OFF 1999
Serie von sechs digitalen Fotografien
OFF
Man kann also ein Schatten sein, man kann sterben: man wird dem Raum etwas Atem zurückgegeben haben, man wird sich wieder mit dem Atemraum verbunden haben, man wird Park oder Wald geworden sein oder mechanischer Hase, so wie Henry Miller sagte, dass er im Fall einer Wiedergeburt als Park wiedergeboren würde. Aus: Gilles Deleuze, Das Bewegungsbild im Kino 1
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| Stills aus Il deserto rosso, (Michelangelo Antonioni) |
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Der Film zur Geschichte existiert nicht. Eine Wüste vor dem Hintergrund eines leuchtenden oder auch explodierenden Berges. Zwei Autoscheinwerfer, auf einen ausgefahrenen Feldweg gerichtet. „DANCING“, leeres Versprechen in einer Nacht, die keine Zeit kennt. Niemand ist dort. Die Handlung ist ausgelöscht, der Raum der Geschichte vergangen, und die Darsteller fort.
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| DESERT (1999/2000). C-Print auf Aluminium |
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| DANCING (1999/2000), C-Print auf Aluminium |
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Eine Auslassung in der Sequenz der Bilder, eine Leerstelle, der Moment, in dem die Stimmen verstummen und die Geschichte “im Sand verläuft”, kein schaler Trost mehr von Anfang und Ende. Das Ende des Films ist der Anfang einer neuen Erzählung, das Versprechen wird nicht eingelöst, der Konflikt nicht aufgelöst, die Landschaft ist verwildert. Das Paar, an das niemand sich mehr erinnert, ist durch all diese Landschaften hindurchgegangen und schließlich in ihnen verschwunden. Vielleicht ist es aber auch umgekehrt: Die Szene ist im Inneren des Paares verschwunden – so wird das extérieur wieder zum intérieur.
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| Stills aus Il deserto rosso (Michelangelo Antonioni) |
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| SWAMP (1999/2000), C-Print auf Aluminium |
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Diese fiktiven Architekturen, die sich auf filmische bzw. fotografische Vorlagen beziehen und diese miteinander kurzschließen, zeigen künstliche Natur, und auch die Künstlichkeit von Natur. Die Inszenierung funktioniert als widersprüchliche Konstruktion von Räumen und Feldern, die angrenzen, daneben liegen, bereits verschwunden sind. Dennoch tauchen sie innerhalb einer anderen Erzählung wieder auf: Eine Erzählung, die von Reisen handelt, von Liebe, und von Verwandlung.
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| TWO SUNS (1999/2000), C-Print auf Aluminium |
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Bewegungen, Augenblicke, Katastrophen, Abschiede finden in einem Off statt, das nie sichtbar wird. Dennoch bestimmen sie den Rahmen der Geschichte. Wohin gehen die Darsteller/innen, wenn sie aus dem Kader des Bildes verschwinden? Das Ende des Films ist zugleich der Beginn einer Sehnsucht – einer Sehnsucht nach Unaufhörlichkeit, aber auch der Anfang vom Ende (der Liebe, beispielsweise). Godard fragt: Qu´est-ce que c´est, une catastrophe ? La prémiere strophe d´un poème d´amour. Auch von diesen Katastrophen handelt die Arbeit. Sie zeigt Shelter, Hütten, Schutzräume, die nichts und niemanden mehr beschützen. Bereits ihr Ursprung liegt in einem verdrängten Moment, in einem psychischen Off. Das Thema der Arbeit ist die Erzählung der Orte, des Schauplatzes als Figur. Hier beginnt oder endet der Raum, der sich selbst zur Leere treibt.
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| SUBURBIA (1999/2000), C-Print auf Aluminium |
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Die Arbeit bezieht sich auf die folgenden Filme: Badlands (Terence Malick, USA 1973) / Je t’aime moi non plus (Serge Gainsbourgh, F 1976) / Teorema (Pier Paolo Pasolini, I 1968) /Kiss Me Deadly (Robert Aldrich, USA 1955) / Il deserto rosso (Michelangelo Antonioni, I 1964)
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| [I]Il deserto rosso / Kiss Me Deadly / Badlands / Je t'aime moi non plus[I] |
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| KISS (1999/2000), C-Print auf Aluminium |
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