PENELOPE GEORGIOU

Ein Drehtag in der Secession, 2003

Am 5. Juni 2003 fanden die Dreharbeiten zu Penelope Georgious neuem Film in der Ausstellung statt. Entwurf des Sets: Angela Hareiter

5. Juni 2003
Am 5.6.2003 wird in der Secession der Drehtag meines nächsten Films stattfinden: Auf einem von Angela Hareiter für mich entworfenen und in seinem Aufbau beaufsichtigten Objekt werde ich tanzen, und Kameraleute werden
aufzeichnen. Mehr zu dieser Sache kann ich nicht sagen, ohne belangloses Zeug von mir zu geben … während ich persönlich schon darunter leide, dass sehr wenige dem Kunstbetrieb angehörige Menschen musisch veranlagt sind … ein Kunstwerk offenbart sich zwar langfristig aufgrund seiner Substanz, erfolgreich ist es aber nur wegen seiner unwesentlichen Merkmale … weil Menschen, die kein Gefühl für das Schöne haben, sich in ihrer Tätigkeit der Idee des Sozialen, des Politischen oder einer Theorie unterwerfen. In den letzten zehn Jahren war ich so sehr zugedeckt mit privaten Problemen, dass ich mich um meinen Beruf kaum gekümmert habe. Ich entschuldige mich dafür und verspreche, dass sich dies bald ändern wird.

Constanze Ruhm: Bei wem entschuldigst du dich?

Penelope Georgiou Wie kannst du so was fragen? Wenn du diesen Text als ein kleines Werk betrachtest, ob gelungen oder nicht, wie man das bewertet, das steht wieder in den Sternen … aber wenn ich das so betrachte, dann kann ich auch nichts mehr darüber sagen, als ich in dem Text schon sage.

CR Aber sind Texte nicht andere Kommunikationsmittel als Filme oder Kunstproduktionen?

PG Aber nicht so ein Text.

CR Du siehst diesen Text also eher, wie du auch einen Film siehst? Er hat keine andere Aufgabe, als sich selbst zu kommunizieren. Bei der Arbeit, die du für die Ausstellung Fate of Alien Modes planst, wird es eine Art Bühne geben,
die von der Filmarchitektin Angela Hareiter speziell für dich entworfen wurde. Die Arbeit selbst ist eine Performance, eine Darstellung, die an einem bestimmten Tag in der Secession innerhalb der Ausstellung stattfinden wird, um als Material für einen neuen Film zu dienen. Was hat dich dazu veranlasst, keine „fertige“ Arbeit zu zeigen – einen deiner Filme beispielsweise –, sondern eine Performance zu planen?

PG Dazu muss ich sagen, dass ich niemals etwas, was ich gemacht habe, als Performance empfunden habe … aber es fällt mir auch sehr schwer zu sagen, dass ich einen Film mache, auch wenn ich einen Film mache. Zu dieser Sache
würde ich sagen, es handelt sich um den Drehtag meines neuen Films oder um einen der Drehtage, welcher eben in der Secession stattfindet.

CR Das heißt, es werden weitere Szenen außerhalb der Ausstellung gedreht werden?

PG Das weiß ich noch nicht, das hängt davon ab, wie dann das Material wird.

CR Die Idee zu diesem Film trägst du also schon länger mit dir herum, und du nimmst die Ausstellung zum Anlass, einen Anfang zu finden.

PG Ja, in der Ausstellung wird ein Drehtag stattfinden. Und das Resultat dieses Drehtags wird in einen Film einfließen.

CR Während der Ausstellung ist, in deinem Fall, außer der Bühne die meiste Zeit nichts zu sehen – und man wird die fertige Arbeit nicht zu sehen bekommen.

PG Das ganz sicher nicht, aber dieses Objekt von Angela Hareiter, das ist etwas Besonderes.

CR Wie ist die Idee zur Bühne für deinen Auftritt zustande gekommen?

PG Das Tolle ist, dass wir in Wirklichkeit überhaupt nicht viel kommuniziert haben. Was künstlerische Sachen betrifft, da genügen so ein paar Sätze, wir haben eigentlich ganz wenig geredet. Dann kamen die ersten Entwürfe, dieser übergroße Schallplattenspieler, und sie war sich unsicher, ob es mir gefallen würde, und ich war von der ersten Sekunde an begeistert. Ich musste darüber überhaupt nicht nachdenken, das war’s.

CR Spielt es eine Rolle für dich, dass die Idee zur Bühne sich auf einen Plattenspieler bezieht?

PG Es hat mich sehr angeregt. Das ist doch klar, ich will tanzen, und Tanzen hat mit Musik zu tun.

CR Woher kommt dein Wunsch, einen Tanzfilm zu machen?

PG Wenn ich das wüsste – aus dem Bedürfnis wahrscheinlich, das, was ich zu sagen habe, über das Tanzen zu sagen. Aber warum ist es wichtig, das alles zu wissen? Ich kann dieses Interesse nicht nachvollziehen, herauszufinden, warum Leute ihre Arbeit so tun, wie sie sie tun. Mich interessiert das überhaupt nicht, warum und wie jemand etwas tut. Mich interessiert nur das Produkt. Mich interessiert, warum Leute etwas machen im privaten Bereich, da interessiert mich das sehr, warum jemand sich so verhalten hat, wenn mich etwas kränkt oder sogar wenn mich etwas überrascht, dann will ich das verstehen. Warum Künstler so oder so arbeiten – es wundert mich jedes Mal,
wenn jemand sich damit beschäftigt, nicht nur in Bezug auf meine Arbeit, sondern auch in Bezug auf die Arbeit von anderen. Ich langweile mich zu Tode, bei Vorträgen zum Beispiel, wenn ein Künstler über sich erzählt … ich will dann meistens nur die Arbeit sehen.

CR Kommen wir zurück zu deiner Arbeit. Deine Dreharbeiten werden während der normalen Öffnungszeiten stattfinden.

PG Der ganze Drehtag ist öffentlich zugänglich, den ganzen Tag über können die BesucherInnen zuschauen.

CR Welche Musik hast du vor zu verwenden?

PG Das weiß ich noch nicht.

CR Mir gefällt die Idee einer Bühne als Ankündigung, das ist wie ein Versprechen. Die Bühne wartet auf dich, sie wird einmal benützt, und dann wird sie Vergangenheit. Es ist so ein Spiel mit Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Das ist wie ein Geheimnis in der Ausstellung, es hat etwas Mysteriöses. Auch diese Gleichwertigkeit von Prozess und Produkt …

PG Der Text, den ich dir gegeben habe, ist auch so: verschlüsselt. Das ist immer so bei mir. Ich bin umständlich, ich quäle mich, wenn ich das hier genau erklären muss. Es widerstrebt mir, Kunst in Theorie oder Theorie in Kunst zu
übersetzen. (CR)

 
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