
Installation / Version 2: display architecture, Farbsystem, Monitor, Vitrine, Posterserie, Buchdummy, Buch Edition "Histoires du cinema", 2 Photographien, DVD / Farbe / Ton / 30 min., loop
X NaNa / Subroutine: INSERT
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| Filmplakat X NaNa / Subroutine: The Difficulty of Being (2005) |
"X NaNa..." (2004) wurde als "Subroutine" des ursprünglichen Programms "X Characters / RE(hers)AL" entwickelt. Dieser Film stellt den ersten Teil einer Serie von Produktionen dar, die als spin-offs (Abspaltungen) der ursprünglichen Charaktere und ihrer Geschichten konzipiert sind. In "X Characters / RE(hers)AL" markiert das "X" als Zeichen die jeweiligen Ausgangspositionen der sieben Figuren. In "X NaNa / Subroutine" bezeichnet das "X" einen von der Hauptfigur NaNa hergestellten Zwischenraum als neue Äffnung in der abgeschlossenen Erzählung des Films Vivre sa vie (Jean-Luc Godard 1962), und verweist gleichzeitig auf die folgende Produktion mit dem Titel "X Love Scenes". Dort wird das "X" zur Projektionsfläche für eine neue, in drei Sub-Charaktere aufgesplittete Version der Giuliana aus Michelangelo Antonionis Deserto rosso (1964).
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| Installationsansichten X NaNa / Subroutine, Engholm Engelhorn Galerie Wien (2005) | ||
Insert
Dass die Einstellung ein Geschehen erzählt, für welches sie gar keinen Platz lässt, ist paradox. Man glaubt sogar, es gesehen zu haben, da die Einstellung kontinuierlich verläuft. Aber das Geschehene ist zu Ende, bevor es überhaupt begonnen hat. (Christine N. Brinckmann)In "X NaNa / Subroutine" ist aus "Nana" nun "NaNa" geworden, die das ausweglose Ende, das ihr in Vivre sa vie bestimmt ist, auf eigene Weise abwendet. Nana als NaNa verwandelt sich in eine zeitgenössische Version der ursprünglichen Godard'schen Figur, die ihren Lebensunterhalt als Verkäuferin in einem Plattenladen verdient, um nicht mehr auf das Einkommen aus früheren illegalen Aktivitäten wie (Daten-)Bootlegging angewiesen zu sein. Die Dinge beginnen, kompliziert zu werden, als ein ehemaliger "Kollege" unerwartet wieder auftaucht. Er bietet ihr einen Job an, der angeblich "wie für sie gemacht ist". NaNa scheint den Auftrag – wenn auch zögernd – anzunehmen: sie weiss, dass sie sich noch einmal ihrer Herkunft als Godard'sche Filmfigur stellen muss, um sicherzugehen, dass sie ihre Unabhängigkeit zu eigenen Bedingungen wahren kann.
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| Installationsansichten X NaNa / Subroutine, Engholm Engelhorn Galerie Wien (2005) | ||
NaNa ist die erste Figur, die aus der Vorlage von "X Characters / RE(hers)AL" mit einer neuen Geschichte hervorgeht. In der abgeschlossenen Godard'schen Erzählung erzeugt sie einen Zwischenraum, den sie als Leerstelle offen hält, aus der nicht nur eine aktualisierte Version ihrer Geschichte entsteht, sondern auch die neuen Scripts der anderen sechs Figuren. Ihre Rolle innerhalb des Programms "X Characters..." ist es daher auch, in diesem nun von ihr eröffneten Raum und in Hinblick auf die noch zu realisierenden Geschichten ihrer Gefährtinnen, eine neue Orientierung anzuzeigen, um jede der Figuren in eine spezifische Beziehung zu "X" als vermittelnder narrativer und räumlicher Instanz treten zu lassen. NaNa befindet sich so am Ursprung einer Serie zeitgenössischer Erzählungen, von denen jede spezifisch von einer der sechs Figuren handelt. Die Syntax des Programms "X Characters..." entwickelt sich zu einem Geflecht von Wechselbeziehungen und Verbindungen, die ein sich kontinuierlich veränderndes räumliches Netzwerk darstellen. NaNa ist jene Figur, deren Psyche das fundamentale Begehren aller anderen Figuren bereits enthält. Indem sie ihr "gesetzloses" Handeln als eine mögliche Form von Freiheit definiert, suggeriert sie potenzielle Unabhängigkeit als eine gerichtete Bewegung, deren Dynamik sie in die Lage versetzt, ihre ursprüngliche Bestimmung selbst zu verändern.
Cinema Muse-alogy
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| Installationsansichten X NaNa / Subroutine, Engholm Engelhorn Galerie Wien (2005) | ||
Der Autor Chris Chesher weist in einem Essay mit dem Titel "Why the Digital Computer is Dead" darauf hin, dass zwischen Anrufungs-(invocation) und Beschwörungsritualen und der Ausführung digitaler Befehle eine kulturelle Kontinuität besteht. Chesher beschreibt digitale Programmroutinen als quasi-magische Refrains, als zeitgenössische Echos antiker Beschwörungsrituale als "Bitten um Beistand", die üblicherweise an eine der neun Musen gerichtet werden. Es war Hollis Frampton, einer der wichtigsten Vertreter des amerikanischen Avantgardefilms der Sechzigerjahre (und Zeitgenosse Godards), der davon sprach, dass das Kino nun endlich eine eigene Muse hervorgebracht habe. Ihr Name: Insomnia. Framptons erster Film aus dem Jahr 1962 (dem Entstehungsjahr von Vivre sa vie), hatte den Titel Clouds Like White Sheep, und gilt heute als verschollen. Wolkenformationen, welche die Umrisse von Schafen evozieren, erinnern an die Technik der Schlaflosen, Schafe zu zühlen, um den ersehnten Schlaf herbeizurufen. Die Muse des Kinos, Insomnia (Schlaflosigkeit) will dies verhindern. Deshalb bleibt dem Filmemacher nichts anderes übrig, als die ephemeren Schafe auf Zelluloid zu bannen: Framptons verlorener Film zeigt sich so, in einer überraschenden Wendung, als Anrufung einer Muse.
Um Macht über ihr Schicksal zu gewinnen, behauptet NaNa, 'Mnemosyne' zu sein – Mutter der neun Musen, Göttin der Erinnerung, in der griechischen Mythologie mit Zeus, dem Gott der Befehle, liiert. NaNa / Mnemosyne aktiviert so den ursprünglichen Mythos, um einen Raum zeitgenössischer Mythologie am Schnittpunkt von Neuen Medien und Kino zu erzeugen: zwischen den Koordinaten von "Befehl" und "Erinnerung", von "Zeus" und "Mnemosyne", entsteht eine Welt, die aus digitalen Operationen und mythischen Anrufungen hervorgeht.
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| Edition, DVD Cover / Edition X NaNa | ||
Auch die Erinnerungen der Menschen werden von Mnemosyne behütet. In Analogie zur Auffassung von "Kino" als Speichermedium und kulturellem Gedächtnis erscheint NaNa / Mnemosyne nun auch noch als zehnte Muse Insomnia. Sie beschwört – im Rückgriff auf ihre ursprüngliche Geschichte – eine Vergangenheit, die "fast schon vergessen ist", und die sie verändert, um das eigene Weiterleben zu sichern. Das "X" aus "X NaNa ..." als Unbekannte verweist auf diesen Raum der Unterbrechung, den NaNa erzeugt, und verbindet als beweglicher Marker die anderen Charaktere und ihre Geschichten miteinander.
"X NaNa / Subroutine" ist ein Versuch in Form eines filmischen Inserts, das von veränderlichen (weiblichen) Identitäten erzählt. Die Produktion etabliert eine Syntax, die zugleich inner- und ausserhalb der Konventionen von Kinomoderne und (postmodernen) Neuen Medien formuliert wird. So berichtet der Film von NaNas Existenz als einer Bewegung von Symptom zu Trope, von Filmfigur zu mythologischer Gestalt (Mnemosyne), und schliesslich zu einer zeitgenössischen Erscheinung: "X NaNa / Subroutine" erzählt die Geschichte einer Identität im Flux.
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| Edition X NaNa: Insert in Histoires du Cinema von Jean-Luc Godard (Band 1, 1998) | ||
Credits
NaNa: Annika Kuhl / Jean-Luc Godard: Hans Michael Rehberg / Herman: Gary Wilmes / Bewährungshelfer: Harun Farocki / G. / Melpomene: Judith van der Werff / Empfangsdame: Cornelia Heyse / Autofahrer: Alexis Bug / Kunde: Diedrich Diedrichsen / Musen: Judith Barry, Tina Berning, Aki Fujiyoshi, Katrin Heller, Rebecca Herrmann, Christiane Hitzemann, Regina Möller, Juliane Rebentisch
Script Advisor: Fareed Armaly / Consultant: Rainer Kirberg
UNIT BERLIN Kamera: Jörg Jeshel / 2nd Unit / Licht: Martin Langner / Ton: Matthias Schurz, Stefan Koethe / Kostüm: Max Wohlkönig / Make Up: Rebecca Herrmann / Soundtracks / Mixes: Otto Kränzler / NaNaNa-Music Research: Christian Tjaben / Setfotos: Kai von Rabenau
UNIT WIEN Kamera: Amir Esmann / Ton: Peter Czack / Tonassistenz: Peter Holzinger / Licht: Harald Staudach Aufnahme & Produktionsleitung: Klaus Forsthuber / Produktionsassistenz: Andrea Salzmann / Kostüm: Ingrid Winkler, Peter Holzinger / Make Up: Maria Becker / Schnitt: Ilse Buchelt / Assistenz: Doris Felsner / Postproduktion: OFFLINE Audiopostproduktion: Klaus Kobald / Production Graphics: Dodo Brunialti
















